Der Paso Doble ist ein spanischer Tanz, wird aber traditionell den lateinamerikanischen Tänzen zugeordnet. Man versteht darunter die tänzerische Interpretation eines Stierkampfes. Der Herr tanzt den Torrero, die Dame stellt das rote Tuch (Muleta oder Capa genannt) dar. Ein Körperkontakt zur Dame findet selten statt. Es wäre ja auch unlogisch, weil lebensgefährlich, wenn der Stierkämpfer die Capa dauernd an seinen Körper halten würde. Seit 1945 Turniertanz war die Musik ursprünglich im 3/8-Takt. Heute wird für den Tanz der 2/4-Takt gebraucht. Das Tempo beträgt etwa 58 bis 62 Takte pro Minute. Bei Turnieren tanzt man 60 bis 62 Takte pro Minute.

Der Paso Doble ist eine Ausnahme unter den lateinamerikanischen Tänzen. Dies zeigt sich in Haltung, Schritten und der anzustrebenden durchgängigen Phrasierung der Figuren. Der Tanz wird mit stolz erhobenem Haupt getanzt, die Schulterblätter werden nach hinten und unten gezogen und das Gewicht leicht nach vorne verlagert. Durch An-spannen der Oberschenkel wird die Leiste weiter nach vorne gebracht, der Schwerpunkt liegt so hinter der Hüfte. Durch gleichzeitige Anspannung der Bauchmuskeln wird verhindert, dass sich der Brustkorb nach oben bewegt, also öffnet. Die Ellenbogen liegen weiter hinten als sonst, aber durch die Tendenz nach vorne bleibt der Abstand zwischen den Partnern gleich. Weil der Paso Doble ein Marschtanz ist, entfallen Schritt vorbereitende Hüftbewegungen wie bei Rumba oder Cha-Cha-Cha, vielmehr werden sie bei raumgreifenden Schritten mit der Ferse angesetzt. An zwei Stellen der Musik wird eine statische Pose eingenommen. Häufig wird zu Beginn einer Phrase auf "eins und" ein so genannter Appell getanzt, gefolgt von einem plötzlichen Umlenken der stationären, höheren Körperhaltung in eine Vorwärtsbewegung (Attacke genannt). Auch Chassés werden häufig getanzt. Armbewegungen werden schnell und in einer einzigen, runden Bewegung ausgeführt, also nicht mit Einsatz des Ellenbogens. Bei der Ausführung aller Figuren ist daran zu denken, was sie im Rahmen eines Stierkampfes bedeuten sollen. Hohe Sprünge bspw. sind deshalb nicht sinnvoll. Typisch ist aber z.B. die erhobene Position des Herrn (auf den hohen Fußballen), beide Hände hoch über dem Kopf – bereit zum Todesstoß.

In der Praxis sieht das Ganze dann übrigens so aus: