Was ist dieses "Turnen" eigentlich? Nunja, um mit der Theorie zu beginnen: neben einer Sportart, die wahnsinnig viel Spaß macht, ist es auch eine olympische Disziplin. Dazu sollte man aber beachten, dass Turnen in breitensportlich orientiertes Turnen, bei dem Wettkämpfe keine bzw. nur eine untergeordnete Rolle spielen, und leistungssportlich orientiertes Turnen, das bis vor kurzem vom Deutschen Turnerbund (DTB) noch als "Kunstturnen" bezeichnet wurde, unterschieden wird.
Letzt genanntes ist auch meine Antwort, wenn man mich fragt, was ich früher gemacht habe, denn ich habe tatsächlich viele Wettkämpfe – wenn auch "nur" bis auf Landesebene (also Bundesland) – bestritten. Heutzutage würde das allerdings wohl eher aussehen, wie ein Elefant beim Fliegen lernen.
Durch das Turnen werden vor allem koordinative und konditionelle Fähigkeiten, aber auch Mut, Willenskraft und Selbstbeherrschung entwickelt und trainiert. Im Leistungssportbereich sind dazu mehrmals wöchentliches, ab einem gewissen Niveau sogar tägliches Training an den Geräten, begleitet von Ausdauertraining und Ballettunterricht erforderlich. Aber genau an dieser Stelle fangen für viele Leute die Probleme an: Insbesondere das Leistungsturnen war (und ist) in Deutschland eine umstrittene Sportart, weil Talente von ihren Betreuern oft schon im Kindergarten-alter (ich selbst habe auch mit 3 1/2 Jahren angefangen) mit täglichem Training "gefördert" werden. Der Einstieg in den Hochleistungssport (hieße Bundes- oder sogar internationale Ebene) erfolgt dabei möglicherweise viel zu früh, was körperliche und auch seelische Schäden zur Folge haben kann. Dazu mal einige Zahlen aus dem Hochleistungs-bereich, die zwar niemandem Angst machen sollen, aber die Bedenken verdeutlichen können:
Während die Mehrkampfsiegerin von 1968 bei ihrem Sieg noch 25 Jahre alt und 1,65m groß war und 54,3kg wog, brachte die 17jährige Olga Korbut zum Zeitpunkt ihres Auftritts bei den Olympischen Spielen 1972 bei einem knappen Meter fünfzig nur noch zierliche 38,5kg auf die Waage! Nadia Comaneci, der Star der Spiele von 1976 war zwar ebenfalls noch einen knappen Meter fünfzig groß, wog aber nur noch 36,2kg – mit 14 Jahren! 1992 waren die beiden Siegerinnen Tatiana Gutsu und Shannon Miller mit ihren 15 Jahren sogar nur noch 1,37m groß und wogen 31,7 bzw. 31,2kg!
Einfacher ausgedrückt: Während der Durchschnitt bei den Olympischen Spielen 1972 noch bei 17 1/2 Jahren, 1,61m und 48kg lag, schrumpfte er bis 1992 auf 16 Jahre, 1,46m und 37,6kg zusammen. Darüber hinaus klagen viele ehemalige Turnerinnen nach dem Ende ihrer aktiven Phase häufig über Kopf- und Rückenschmerzen.
Diese Zahlen beziehen sich wie gesagt auf den internationalen Spitzenrahmen, aber das Problem mit Kopf- und Rückenschmerzen kenne ich auch. Allerdings lagen meine Maße in den besten Zeiten – also mit etwa 14-16 Jahren – "nur" bei 1,64m und 48-49kg. Und heute, 15 Jahre später, habe ich beide Maße auch schon lange hinter mir gelassen. 